Wenn Wasser zur Überlebensfrage wird – Interview mit Michael Deininger

INTERVIEW  /  RESILIENZ  /  TRINKWASSER

Wenn Wasser zur
Überlebensfrage wird

Michael Deininger über resiliente Trinkwasserversorgung, internationale THW-Einsätze und den Wert einer Infrastruktur, auf die sich Menschen jederzeit verlassen können.

Wer mit Michael Deininger über Trinkwasserversorgung spricht, merkt schnell: Für ihn ist Wasser weit mehr als ein technisches Thema.

Als Wassermeister und langjähriger ehrenamtlicher Helfer beim Technischen Hilfswerk (THW) hat er erlebt, welche Folgen es hat, wenn Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben.

Seine Einsätze führten ihn unter anderem nach Indonesien, Haiti und Tansania. Dort arbeitete er mit Menschen, deren Alltag von Wasserknappheit, zerstörter Infrastruktur oder den Folgen von Naturkatastrophen geprägt war. Diese Erfahrungen haben seinen Blick auf die Wasserversorgung und auch das Leben nachhaltig verändert.

Sie prägen seine Sicht auf die Herausforderungen der kommunalen Wasserwirtschaft. Für ihn beginnt Resilienz lange bevor eine Krise eintritt – nämlich mit guter Vorbereitung, funktionierenden Strukturen und einer Infrastruktur, auf die sich Menschen jederzeit verlassen können.

„Resilienz gegenüber äußeren Einflüssen
ist unser primäres Ziel.“

Michael Deininger

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Eine widerstandsfähige Infrastruktur muss vorbereitet werden

„Resilienz gegenüber äußeren Einflüssen ist unser primäres Ziel“, bringt Michael Deininger die aktuelle Herausforderung auf den Punkt.

Eine widerstandsfähige Wasserversorgung entsteht nicht erst im Ernstfall. Sie muss im Alltag vorbereitet werden. Dazu gehören Notverbünde zwischen Versorgern, durchdachte Notfallpläne und eine verlässliche Notstromversorgung. Ebenso wichtig ist es, dass Kommunen ihre Versorgung möglichst auf mehrere Standbeine stellen, um auch bei Ausfällen handlungsfähig zu bleiben.

Ein Vorteil liegt aus seiner Sicht in der dezentralen Versorgerstruktur, insbesondere in Bayern. Viele regionale Versorger schaffen stabile Strukturen und erhöhen die Versorgungssicherheit. Gleichzeitig stehen Ballungsräume wie München vor besonderen Herausforderungen, da dort die Versorgung von Millionen Menschen von einer funktionierenden Infrastruktur abhängt.

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Was macht eine Infrastruktur resilient?

Die Risiken für die Wasserversorgung verändern sich. Neben Trockenperioden und Extremwetterereignissen gewinnen auch Cyberangriffe oder länger andauernde Stromausfälle an Bedeutung.

Resilienz bedeutet deshalb weit mehr als eine funktionierende Technik. Benötigt werden funktionierende Notverbünde, individuell ausgearbeitete Notfallpläne sowie alternative Kommunikationswege für den Krisenfall. Wasserwerke sollten zudem auch bei einem Ausfall digitaler Steuerungen weiter betrieben werden können.

Jede Kommune steht dabei vor unterschiedlichen Herausforderungen. Deshalb müssen Vorsorgemaßnahmen an die jeweiligen örtlichen Gegebenheiten angepasst werden. Nur so kann die Trinkwasserversorgung auch unter außergewöhnlichen Bedingungen zuverlässig aufrechterhalten werden.

RESILIENZ BRAUCHT REDUNDANZ

Notverbünde, Notstrom, alternative Kommunikationswege und die Möglichkeit zum manuellen Betrieb schaffen Handlungsfähigkeit, wenn einzelne Systeme ausfallen.

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Unsere Trinkwasserqualität ist nicht selbstverständlich

Neben seiner Tätigkeit als Wassermeister engagiert sich Michael Deininger seit vielen Jahren ehrenamtlich beim THW. Seine Einsätze führten ihn in Krisen- und Katastrophengebiete auf der ganzen Welt. Dort musste Wasserinfrastruktur häufig unter schwierigsten Bedingungen neu aufgebaut werden. In solchen Ausnahmesituationen wird deutlich, welche zentrale Bedeutung sauberes Trinkwasser für Gesundheit, Hygiene und das tägliche Leben hat.

Neben den technischen Herausforderungen spielen auch kulturelle Unterschiede eine wichtige Rolle. Die Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort erfordert Offenheit, gegenseitiges Verständnis und die Bereitschaft, sich auf unterschiedliche Lebensrealitäten einzulassen.

Ein Beispiel dafür ist das St. Walburg’s Hospital in Tansania. Gemeinsam mit der Artemed Stiftung werden dort in den nächsten Monaten zwei Trinkwasseraufbereitungsanlagen installiert und eine nachhaltigere Versorgung aufgebaut. Wasserzähler und effizientere Strukturen sorgen dafür, dass die vorhandenen Ressourcen bewusster genutzt werden können. Gleichzeitig trägt die verbesserte Wasserversorgung dazu bei, den Anbau von Gemüse zu ermöglichen und damit die Versorgung der Patientinnen und Patienten nachhaltig zu verbessern.

Sauberes Trinkwasser ist Lebensgrundlage – und eine sichere Infrastruktur die Voraussetzung dafür.

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Erfahrungen, die den Blick verändern

An seinen ersten Einsatz in Tansania vor zwei Jahren erinnert sich Michael Deininger noch gut. Die Trockenheit, wenige Wasserquellen und salzhaltiges Grundwasser machten deutlich, wie kostbar sauberes Trinkwasser ist.

Auch unter schwierigen hygienischen Bedingungen sammelte er Erfahrungen, die seinen Blick auf die Wasserversorgung nachhaltig geprägt haben. Für ihn sind diese Erlebnisse bis heute Motivation, sich für resiliente Infrastrukturen einzusetzen – sowohl im internationalen Hilfseinsatz als auch in Deutschland.

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Fazit: Resilienz ist eine gemeinsame Aufgabe

Das Gespräch mit Michael Deininger macht deutlich, dass eine sichere Trinkwasserversorgung keine Selbstverständlichkeit ist. Sie ist das Ergebnis einer vorausschauenden Planung, technischer Vorsorge und einer engen Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Versorgungsunternehmen und Hilfsorganisationen.

Seine Erfahrungen aus internationalen Krisengebieten zeigen eindrucksvoll, welchen Wert eine funktionierende Wasserinfrastruktur hat.

Gleichzeitig machen sie deutlich, dass Resilienz nicht erst in einer Krise entsteht, sondern lange vorher – durch Vorbereitung, Zusammenarbeit und den verantwortungsvollen Umgang mit einer unserer wichtigsten Ressourcen.

Wir bedanken uns herzlich bei Michael Deininger für das offene Gespräch und die spannenden Einblicke in seine Arbeit. Seine Erfahrungen zeigen, wie wertvoll der Blick über den eigenen Tellerrand ist – und wie viel wir für die Zukunft unserer kommunalen Wasserversorgung daraus lernen können.