Mehr als sauberes Wasser: Warum Kommunikation entscheidend ist

Transparenz schaffen, Herausforderungen ehrlich benennen und komplexe Sachverhalte verständlich erklären – dafür steht Joana Ciraci. Als Referentin für Wissenschaftskommunikation im Bereich Wasser beim DVGW beschäftigt sie sich täglich mit der Frage, wie Vertrauen in die öffentliche Wasserversorgung gestärkt werden kann. Im Interview verrät sie, warum eine offene Kommunikation so wichtig ist und worauf Versorger insbesondere bei gesundheitlich relevanten Themen achten sollten:

1. Wie beeinflussen Medienberichte und Schlagzeilen die Wahrnehmung von Leitungswasser?

Medienberichte prägen unsere Wahrnehmung sehr stark – insbesondere dann, wenn es um Themen geht, die unsere Gesundheit betreffen. Einzelne Vorfälle oder neue wissenschaftliche Erkenntnisse können den Eindruck vermitteln, dass ein flächendeckendes Problem besteht, obwohl sie häufig regionale Ereignisse oder sehr spezifische Fragestellungen beschreiben.

Umso wichtiger ist es, solche Meldungen sachlich einzuordnen: Leitungswasser gehört in Deutschland zu den am strengsten kontrollierten Lebensmitteln. Dass Belastungen entdeckt oder neue Stoffe untersucht werden, zeigt vor allem, dass unsere Kontroll- und Sicherheitsmechanismen funktionieren und kontinuierlich weiterentwickelt werden.

2. Welche Themen sorgen aus deiner Sicht besonders häufig für Verunsicherung?

Vor allem Begriffe wie PFAS, Medikamentenrückstände, Mikroplastik oder Keime lösen schnell Unsicherheit aus. Das liegt daran, dass diese Themen oft sehr komplex sind und häufig ohne ausreichende Einordnung kommuniziert werden. Oft wird bereits der bloße Nachweis eines Stoffes mit einer Gesundheitsgefahr gleichgesetzt. Dabei gilt: Moderne Analytik kann heute selbst kleinste Spuren nachweisen – ein Nachweis bedeutet jedoch nicht automatisch ein gesundheitliches Risiko.

Häufig bleibt außerdem unberücksichtigt, welche Rolle Trinkwasser im Vergleich zu anderen Expositionsquellen tatsächlich spielt. Das soll die Herausforderungen rund um diese Stoffe keineswegs relativieren. Im Gegenteil: Sie müssen ernst genommen und möglichst an der Quelle reduziert werden. Für eine sachliche Risikobewertung ist es jedoch entscheidend, alle Expositionspfade zu betrachten und ihre jeweilige Bedeutung zu berücksichtigen.

Hinzu kommt, dass Schlagzeilen häufig nur das Problem zeigen, nicht aber, dass Trinkwasser in Deutschland durch ein mehrstufiges Sicherheitssystem – vom Ressourcenschutz über die Aufbereitung bis hin zu regelmäßigen Kontrollen – geschützt wird. Genau dieses Gesamtbild ist aber wichtig, um Risiken realistisch bewerten zu können.

3. Wie können Wasserversorger und Branche Vertrauen schaffen und ihre Kommunikation verbessern?

Vertrauen entsteht nicht erst in der Krise, sondern lange vorher. Deshalb sollte die Wasserversorgung nicht nur dann kommunizieren, wenn Probleme auftreten, sondern kontinuierlich zeigen, wie unser Trinkwasser Tag für Tag geschützt wird und welche Leistungen hinter einer sicheren Versorgung stehen.

Aus meiner Sicht braucht gute Kommunikation dabei drei Dinge:

Transparenz: Herausforderungen offen ansprechen und verständlich erklären.

Einordnung: Fakten und Risiken sachlich bewerten, Zusammenhänge verständlich machen und erklären, was eine Meldung konkret bedeutet.

Kontinuität: Regelmäßig kommunizieren – nicht nur im Krisenfall. Denn viele Menschen erleben nur das Ergebnis: Wasser fließt jederzeit aus dem Hahn. Die aufwendigen Prozesse, Kontrollen und das Fachwissen, die dahinterstehen, bleiben dagegen oft unsichtbar.

Unsicherheit entsteht vor allem dort, wo Zusammenhänge fehlen. Genau deshalb ist Kommunikation eine gemeinsame Aufgabe der gesamten Wasserversorgung. Es reicht nicht aus, Informationen bereitzustellen – sie müssen verständlich eingeordnet und erklärt werden.

Und das ist mir besonders wichtig: Gute Kommunikation ist keine Aufgabe der Kommunikationsabteilung allein. Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter in der Wasserbranche verfügt über wertvolles Fachwissen und kann dazu beitragen, komplexe Zusammenhänge verständlich zu erklären, Fragen zu beantworten und Vertrauen zu stärken – indem Risiken transparent und nachvollziehbar eingeordnet werden, aber auch indem sichtbar wird, welche enorme Leistung hinter einer sicheren Trinkwasserversorgung steckt.