
Energie- und Wasserwirtschaft im Wandel
Energiewende, Versorgungssicherheit, Netzausbau und resiliente Infrastrukturen – die Herausforderungen für Energieversorger sind vielfältig.
Im Vorfeld der Bayerischen Energie- und Wassertage haben wir drei Fragen an Marian Rappl, Geschäftsführer des VBEW, gestellt. Seine Einschätzungen zeigen, welche Themen die Energie- und Wasserwirtschaft aktuell besonders bewegen.
- Was sind die größten Herausforderungen für Energieversorger – und welche Veränderungen beobachten Sie im Vergleich zu den vergangenen Jahren?
„Die bayerischen Energieversorger befinden sich mitten in einem historischen Transformationsprozess. Der massive Zubau volatiler Erzeugung – allein in Bayern über 1,1 Mio. PV-Anlagen mit mehr als 25 GW Leistung – macht den Netzbetrieb deutlich komplexer. Hinzu kommen geopolitische Verwundbarkeiten, die uns der Ukraine-Krieg schmerzhaft vor Augen geführt hat, sowie ein erdrückender Regulierungsrahmen: Statt einst 19 energierechtlicher Paragrafen kämpfen unsere Unternehmen heute mit rund 1.000 Vorschriften. Und der Investitionsdruck ist enorm – der BDEW beziffert den bundesweiten Finanzbedarf bis 2030 auf über 721 Milliarden Euro, bei gleichzeitig unzureichender Eigenkapitalverzinsung.“
- Wie können Politik, Wirtschaft und wissenschaftliche Einrichtungen künftig noch enger und effektiver zusammenarbeiten?
„Wir brauchen Partnerschaft statt Mikromanagement. Die Politik muss das Was und Wann vorgeben – die Umsetzung gehört in die Hände der Unternehmen. Gleichzeitig brauchen wir wissenschaftlich fundierte Grundlagen: Faktenbasierte Kooperationen zwischen Verbänden, Forschung und Wirtschaft sind der Schlüssel für eine glaubwürdige und umsetzbare Energiepolitik. Solche Formate gilt es konsequent auszubauen.“
- Welche Maßnahmen sind notwendig, um die Resilienz unserer Energie- und Wasserinfrastruktur langfristig zu stärken?
„Der VBEW hat im Juni 2026 einen Sicherheitspakt Bayern gefordert – und wir meinen das ernst. Dieser Pakt muss auf sechs Elementen beruhen: einer zentralen staatlichen Koordinierung mit dem VBEW als strukturierter Schnittstelle, einem institutionalisierten und vertraulichen Austausch zwischen Ministerien, Sicherheitsbehörden und Versorgungsunternehmen, einer mehrstufigen Struktur mit starker Landes- und regionaler Ebene, klar definierten Zuständigkeiten zwischen Bund, Land und Unternehmen, einem sektorenübergreifenden Ansatz – denn Energie, Wasser, Telekommunikation und Verwaltung hängen real zusammen – sowie einem verlässlichen rechtlichen und finanziellen Rahmen. Wer Resilienz will, muss sie auch ermöglichen.“
